Zum Inhalt springen

Tagmersheim - Das Kleine Altötting im Bistum Eichstätt

  

Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Altötting

Als einzige Kirche im Bistum Eichstätt beherbergt die Pfarrkirche Tagmersheim seit 1723 eine getreue Nachbildung des Gnadenbildes von Altötting. Man kann deshalb vom "Kleinen Altötting im Bistum Eichstätt" sprechen.

Wie kam das Gnadenbild nach Tagmersheim?

Durch den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) war die ganze Gegend sehr verarmt. Da im Frühjahr 1723 überhaupt kein Regen fiel, drohte eine Missernte. In den Brunnen des Jura-Dorfes gab es für Mensch und Tier fast kein Wasser mehr.

In dieser Notsituation sandte die Gemeinde Tagmersheim vier Männer nach Altötting, wo sich bis heute das bedeutendste Marienheiligtum Bayerns befindet. Diese vier Männer repräsentierten verschiedene Stände: die Bauern, die Handwerker, die Arbeiter sowie die Söldner oder Kleinbauern. Sie hatten den Auftrag, in der Heiligen Kapelle in den Anliegen der Gemeinde zu beten und eine getreue Abbildung der Schwarzen Madonna mit nach Hause zu bringen.

Die vier Wallfahrer waren mehrere Tage unterwegs. Am 30. Mai 1723 kamen sie nach einem langen Pilgerweg mittags in Asbrunn (Pfarrei Ammerfeld) an. Sie ließen den Gemeindebewohnern von Tagmersheim mitteilen, dass sie angekommen seien. Pfarrer Anton Feuchtner (1722-1739) ging den Pilgern mit einer großen Schar von Gläubigen entgegen.

In einer feierlichen Prozession wurde das Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Altötting ins Dorf geleitet und in der Pfarrkirche aufgestellt. Es war ein schöner, heiterer Maientag.

Beim Einzug in das Dorf zeigte sich auf einmal eine Wolke am Himmel. Plötzlich ging über Dorf und Flur ein Platzregen nieder. Das Jahr 1723 wurde, so wird überliefert, eines des fruchtbarsten seit langer Zeit.

2023 konnte das 300-jährige Jubiläum der Übertragung des Gnadenbildes von Altötting nach Tagmersheim begangen werden. Als Hauptzelebrant und Festprediger kam der Wallfahrtsrektor von Altötting, Prälat Dr. Klaus Metzl, nach Tagmersheim.

  

"Schöner Umgang"

An das Ereignis der Übertragung des Gnadenbildes von Altötting nach Tagmersheim erinnert sich die Gemeinde Tagmersheim jährlich am Sonntag nach Fronleichnam durch die Feier des sogenannten „Schönen Umgangs“.

Nach einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche werden bei dieser feierlichen Prozession die getreue Nachbildung der Schwarzen Madonna von Altötting sowie das Allerheiligste durch die Straßen des Dorfes zu vier Altären getragen und verehrt.

  

Die Amtskette der Bürgermeister von Tagmersheim

1954 ließ Bürgermeister Hubert Heckl (1948-1970) aufgrund eines einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses eine kostbare neue Bürgermeisterkette anfertigen. Sie wurde am 20. Juni 1954, am Sonntag nach Fronleichnam, am Tag des "Schönen Umgangs", von Domkapitular Martin Frank aus Eichstätt feierlich gesegnet.

Das Hauptmedaillon erinnert an das Regenwunder von 1723 und somit an den Ursprung des "Schönen Umgangs": die Schwarze Madonna von Altötting mit dem Jesuskind auf dem Arm schwebt auf einer Wolke über dem Dorf. Tagmersheim ist durch die Kirche, das Schloss, das Pfarrhaus und andere Häuser angedeutet. Darüber ist die Jahreszahl 1723 eingestanzt. Am oberen Rand kann man die Worte lesen: "B.V. MARIA OETTINGANA" (Selige Jungfrau Maria von Altötting), und am unteren Rand "SALUS POPULI — CIVITATIS GLORIA" (Heil des Volkes - Ruhm der Bürgerschaft).

Im Verteiler der Kette ist das Monogramm Kaiser Heinrichs Il. abgebildet, des ältesten Grundherrn von Tagmersheim. Es erinnert an die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahr 1007.

Die weiteren Medaillons in der Bürgermeisterkette zeigen Tierbilder:

  • Der Stier weist auf den Necknamen der Tagmersheimer hin, die man "Hummelziacher" nennt.
     
  • Der Schafbock erinnert an den jahrhundertealten Streit der Tagmersheimer mit der Hofmarkherrschaft um die Schafweide.
     
  • Der Eberkopf weist auf eines der ältesten Bauerngeschlechter des Dorfes, auf die Heckl, hin. Der Name ist bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (in verschiedenen Schreibweisen) nachweisbar.

In die Kapsel des Hauptmedaillons ist eine auf Pergament geschriebene Stiftungs- und Weiheurkunde eingeschlossen. Sie wurde von der bekannten Buchmalerin Sr. Maria Dorothea Brockmann OSB in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg in Eichstätt geschrieben. Die Gemeinde Tagmersheim wird in dieser Urkunde unter den besonderen Schutz der Gottesmutter von Altötting gestellt.

Die Stiftungs- und Weiheurkunde der Bürgermeisterkette hat folgenden Wortlaut:

Tagmersheim, 20. Juni A.D. 1954

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Zur größeren Ehre Gottes und zur Verherrlichung der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria unter dem Titel B.V. Maria Oettingana zur Festigung der christlichen Überlieferung in Glaube und Sitte und der Achtung vor der gottgesetzten Autorität in der Gemeinde, zur Förderung des Gemeinwohls und zum Segen jedes einzelnen Bürgers hat diese Bürgermeisterkette gestiftet Hubert Heckl, Bürgermeister, entworfen Max Stengl, Pfarrer, angefertigt Franz Xaver Bilz, Goldschmiedemeister, und geweiht Martin Frank, Domkapitular von Eichstätt, am 20. Juni 1954, am Tage des "Schönen Umgangs" zu Tagmersheim, im 16. Jahre des Pontifikates Seiner Heiligkeit Papst Pius XIl., während der Amtszeit des Präsidenten der Deutschen Bundesrepublik Professor Theodor Heuss, im 10. Jahre der erzwungenen Spaltung Deutschlands und 947 Jahre nach Eintritt des Ortes Tagmersheim in das Licht der Geschichte.

Möge die Gemeinde unter Gottes gütiger Vorsehung und dem immerwährenden Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria die Zeiten frei von Feindesfurcht in ungetrübtem, dauerhaftem Frieden erleben. Amen.

Hubert Heckl, Bürgermeister              Martin Frank, Domkapitular

Franz Bilz, Goldschmiedemeister       Max Stengl, Pfarrer

  

  

Quelle:

Kath. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Jakobus, Tagmersheim (Hrsg.): Tagmersheim und die Pfarrkirche St. Jakobus. 2006.

Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Tagmersheim

siehe Ammerfeld